StEG-P: Das Studiendesign

In StEG-P wollen wir herausfinden, wie Ganztagsgrundschule Schülerinnen und Schüler optimal fördern kann. Zu diesem Zweck erheben wir an 60 Schulen verschiedene Daten, die wir für unsere Untersuchung benötigen: Wir befragen Kinder, die im Schuljahr 2012/2013 die 3. Jahrgangsstufe besuchen, und zeichnen ihre Lernfortschritte in den drei zentralen Bereichen Leseverständnis, Naturwissenschaften und soziale Fähigkeiten nach. Darüber hinaus beziehen wir die Sichtweise ihrer Eltern in unsere Analysen ein, ebenso wie die Perspektive der Lehrkräfte und des weiteren pädagogisch tätigen Personals der teilnehmenden Schulen. Durch die Verbindung dieser unterschiedlichen Blickwinkel können wir besonders umfassend abbilden, wie Schülerinnen und Schüler an Ganztagsgrundschulen lernen.

Erfahren Sie mehr:

> darüber, wie wir die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler messen
> welche Einflussfaktoren wir in unserer Studie berücksichtigen
> dazu, wie wir die Erhebungen bei den Schülerinnen und Schülern zeitlich verteilen
> über die Befragungen der Lehrkräfte und des weiteren pädagogisch tätigen Personals
> dazu, wie wir die Perspektive der Eltern in unsere Untersuchung einbeziehen
> darüber, wie wir aus den gesammelten Daten Erkenntnisse gewinnen

Entwicklungen messen

Ausgangspunkt unserer Untersuchungen ist die Frage, wie sich die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Lauf der Zeit entwickeln. Um das zu ermitteln, führen wir über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren mehrere Erhebungen durch: Die erste Befragung findet zur Mitte des 3. Schuljahres statt; drei weitere Messungen folgen jeweils im Abstand von einem halben Jahr. Zu Beginn ermitteln wir den aktuellen Lernstand der Schülerinnen und Schüler in allen drei Lernfeldern. In den späteren Erhebungen erfassen wir jeden Bereich ein weiteres Mal. So können wir nachvollziehen, welche individuellen Fortschritte die Kinder gemacht haben. Diese Daten bilden anschließend die Grundlage, um die Frage nach der optimalen Gestaltung des Ganztags zu beantworten.

Für die Messung des Lernerfolgs in den Bereichen Lesen und Naturwissenschaften greifen wir dabei auf bewährte Instrumente aus anderen großen Grundschulstudien zurück: Das Leseverständnis erheben wir anhand von Aufgaben aus der „Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU). Im Bereich Naturwissenschaften nutzen wir Aufgaben aus der „Trends in International Mathematics and Science Study“ (TIMSS).

Zahlreiche Einflussfaktoren

Aus der ersten Phase von StEG wissen wir bereits, dass Schülerinnen und Schüler am meisten vom Ganztag profitieren, wenn sie mehrmals pro Woche und über mehrere Schuljahre hinweg an außerunterrichtlichen Angeboten teilnehmen. Eine wichtige Rolle spielt außerdem, wie sie die Gestaltung dieser Angebote einschätzen. Beide Aspekte beziehen wir deshalb auch in unsere aktuelle Studie ein: Wir erfassen für jedes Schulhalbjahr, welche Angebote die Schülerinnen und Schüler besucht haben und wie sie deren Gestaltung beurteilen.

Gleichzeitig erweitern wir jedoch unseren Fokus, denn der individuelle Lernzuwachs hängt immer von ganz unterschiedlichen Bedingungen ab. Um zu prüfen, welche Merkmale von Ganztagsgrundschulen besonders wichtig für erfolgreiches Lernen sind, benötigen wir deshalb zusätzliche Daten. Dazu zählt beispielsweise die Gestaltung des Deutsch- sowie des Sachunterrichts. Außerdem erheben wir, wie dieser Unterricht mit fachbezogenen außerunterrichtlichen Angeboten verknüpft ist; und wir prüfen, welche individuellen Lernvoraussetzungen die Kinder mitbringen und welche Lernangebote sie außerhalb der Ganztagsschule nutzen.

Schülerinnen und Schüler: Mehrere Schwerpunkte

Mit unseren Erhebungen passen wir uns dem Rhythmus der Schulen an: In der Regel können die Kinder jedes Halbjahr andere Ganztagsangebote belegen. Deshalb machen wir den Besuch und die Gestaltung von Angeboten in jeder unserer Befragungen zum Thema. Am Ende jedes Schulhalbjahrs ist die Erinnerung der Kinder noch frisch, sodass sie besonders präzise Angaben zu den besuchten Angeboten und deren Gestaltung machen können. Diese Daten benötigen wir, damit wir gemessene Wirkungen später eindeutig auf bestimmte Angebote und ihre Merkmale zurückführen können.

Bei der Ermittlung der Lernfortschritte können wir dagegen unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Die Aufgaben zum Leseverständnis bearbeiten die Schülerinnen und Schüler zur Mitte der 3. sowie am Ende der 4. Klasse. Außerdem befragen wir sie dann zu ihrem Lern- und Arbeitsverhalten. Die Fähigkeiten in den Naturwissenschaften messen wir dagegen erstmals am Ende der Klasse 3. Nur die Folgeerhebung findet zum selben Termin wie bei den anderen Lernfeldern statt. Durch diese Verteilung können wir die Entwicklung in allen Bereichen erfassen, während die Befragungsdauer für die Schülerinnen und Schüler bei den einzelnen Messzeitpunkten so gering wie möglich bleibt.

Lehrkräfte und weiteres pädagogisch tätiges Personal: Zwei Strategien

In den Befragungen der Lehrkräfte und des weiteren pädagogisch tätigen Personals beleuchten wir zwei verschiedene Themenbereiche, die beide Einfluss auf die Lernentwicklung der Kinder nehmen können. So geht es zum einen auch hier um die Gestaltung der außerunterrichtlichen Angebote sowie des Deutsch- und des Sachunterrichts. Zum anderen erhoffen wir uns Informationen über die allgemeinen Rahmenbedingungen an den Schulen.

Um beide Ebenen sinnvoll bearbeiten zu können, setzen wir bei unseren Befragungen zwei verschiedene Strategien ein: In zwei sogenannten Vollerhebungen befragen wir das gesamte Personal jeder teilnehmenden Schule und ermitteln so die übergreifenden Rahmenbedingungen. Zusätzlich führen wir zum Ende jedes Schulhalbjahrs spezielle Teilerhebungen durch, die sich gezielt auf die Gestaltung von Angeboten und Unterricht beziehen. Dort befragen wir nur Lehrkräfte und Mitglieder des weiteren pädagogisch tätigen Personals, die direkt vor der Erhebung in den untersuchten Klassen für den Deutsch- oder Sachunterricht verantwortlich waren oder ein Ganztagsangebot durchgeführt haben.

Eltern: Familiäres Umfeld und Gestaltung des Ganztags

Zusätzlich zu unseren Erhebungen an den Schulen ist uns wichtig, die Perspektive der Eltern in unsere Studie einzubeziehen: Sie sind in den unteren Jahrgangsstufen besonders stark in den Schulalltag ihrer Kinder eingebunden. Deshalb bitten wir auch sie um ihre Einschätzung, wie gut ihr Kind in der Schule lernt. Darüber hinaus können wir von ihnen erfahren, wie und in welchem Umfang ihre Kinder außerhalb der Schule üben und lernen.

Da überdies der soziale und familiäre Hintergrund einen erheblichen Einfluss auf Lernverhalten und Lernerfolg der Kinder haben kann, bitten wir die Eltern auch dazu um Informationen. Interessant ist für unsere Analysen außerdem, ob und wie sie selbst den Ganztag mitgestalten und welche Ziele sie für die künftige Schulausbildung ihrer Kinder haben.

Merkmale im Vergleich

Erkenntnisse gewinnen wir aus den erhobenen Daten vor allem durch Vergleiche auf verschiedenen Ebenen. So können wir beispielsweise die Lernentwicklung der Ganztagsschülerinnen und -schüler mit den Fortschritten der Kinder abgleichen, die keine Angebote besucht haben. Dadurch lässt sich ermitteln, wie die Teilnahme an außerunterrichtlichen Angeboten generell den Lernerfolg beeinflusst.

Für weitere Analysen nutzen wir dann speziell die Angaben der Schülerinnen und Schüler, die am Ganztag teilgenommen haben: Wie schätzen sie die Gestaltung der besuchten Angebote ein? Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Gestaltungsmerkmalen und ihrer individuellen Lernentwicklung? Welche Rolle spielt darüber hinaus der Fachunterricht? Haben spezielle Leseförderkurse einen positiveren Einfluss auf die Entwicklung des Leseverständnisses als Schülerzeitung oder Theater-AG? So überprüfen wir  den generellen Einfluss der Gestaltung von Angeboten und nehmen in weiteren Analysen auch noch die einzelnen Angebotsformen in den Blick.